Fallbeispiel, IntrovisionCoaching
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Innere Konflikte

Im IntrovisionCoaching geht es immer wieder darum, sich von inneren Blockaden zu befreien. Dieser Fall behandelt das Problem eines jungen Mannes, der sich vor kurzem selbständig gemacht hatte und natürlich für jeden Kunden dankbar war. Da sein Geschäft längst noch nicht so florierte, wie er sich das wünschte, bereitete ihm der Gedanke, er könne einen Kunden und damit das dringend benötigte Geld verlieren, beständig Sorge. Diese Sorge ging schließlich so weit, dass er sich von seinem Haupt-Kunden sehr schlecht behandeln ließ. Der Kunde sprang mit ihm um, als sei er ein untergeordneter Mitarbeiter, den man einfach herumkommandieren kann. Darüber hinaus bezahlte der Kunde noch nicht einmal gut. Für diesen Kunden zu arbeiten, fiel dem Klienten zunehmend schwerer. Sich gegen die Behandlung zu wehren, traute er sich aber auch nicht, denn er hatte Angst davor, womöglich einen Großteil seines Einkommens einzubüßen.


Ihm war klar, dass er diesem Kunden gegenüber ein sehr angepasstes Verhalten an den Tag legte, das sich deutlich von seinem üblichen Auftreten unterschied. Die meisten Menschen kannten ihn nämlich als fröhlich, selbstbewusst und sicher. Also nahm er sich immer wieder vor, diese angepasste Seite abzulegen und auch dem Kunden gegenüber jenes Selbstbewusstsein zu zeigen, das er eigentlich von sich gewöhnt war. In Gedanken stellte er sich vor, beim nächsten Zusammentreffen sicher aufzutreten, deutlich zu sagen, was er von der Art und Weise hielt, wie man mit ihm umging, alle kritischen Punkte anzusprechen – mit dem Ergebnis, dass er den Mund entweder überhaupt nicht aufmachte, oder sich, wenn er sich doch mal traute, etwas zu sagen, vom Kunden ganz schnell einseifen ließ, von wegen, das sei doch alles nicht so gemeint, die Zeiten seien halt stressig und er solle sich nicht so haben.

Für den Klienten waren die Zeiten tatsächlich stressig und wurden es immer mehr, je länger sich die Situation hinzog. Für ihn war es wie die Wahl zwischen Pest und Cholera: Für den Kunden zu arbeiten, verursachte ihm großen Stress, der Gedanke, diesen Auftrag und das damit verbundene Einkommen zu verlieren, verursachte ihm jedoch noch mehr Stress, denn er fürchtete um seine Existenzgrundlage.

Als er ins Coaching kam, hatte er etwa zwei Jahre dieser unbefriedigenden Situation hinter sich und beurteilte seine Lage als aussichtslos. Er hatte zwar mit anderen Kunden die Erfahrung gemacht, wie eine Zusammenarbeit auch aussehen kann, nämlich angenehm, freundschaftlich und kooperativ, aber er hatte eben nicht genug Aufträge, um dem Hauptkunden aufzukündigen. Inzwischen fühlte er sich jedoch nicht nur von der Art des Kunden bedrückt, sondern auch von seiner eigenen Unfähigkeit, sich zur Wehr zu setzen. Sobald er das Firmengebäude betrat, schienen alle die inneren Ressourcen, die er besaß, von ihm abzufallen. Während er bei anderen genau wusste, was er kann und was er leistet, fühlte er sich diesem Kunden gegenüber nur unsicher und ließ sich schnell in Frage stellen. Er konnte sich sein eigenes Verhalten nicht erklären.

Oliver Friedrich bearbeitete im IntrovisionCoaching als erstes den Imperativ „Es darf auf gar keinen Fall passieren, dass ich einen Kunden verliere!“ Allerdings löste der Satz „Es kann sein, dass ich einen Kunden verliere“ recht schnell keinen Alarm mehr aus, weil Oliver Friedrich genügend Selbstbewusstsein besaß, um genau zu wissen, dass er mit seinem Können bald neue Kunden für jeden verlorenen finden würde. Es stellte sich im Gespräch jedoch heraus, dass hinter dem ersten ein zweiter Imperativ stand, der ihm mehr zu schaffen machte und der lautete: „Wenn ich nein sage, könnte ich abgelehnt werden, und das darf auf keinen Fall passieren!“

Also arbeitete er mit dem Satz „Es kann sein, dass ich abgelehnt werde, wenn ich nein sage“. Als er sich zum ersten Mal mit diesem Satz konfrontierte, erlebte er ein flaues Gefühl im Bauch, er fühlte sich schwindelig und aus seiner Erinnerung tauchten viele Szenen mit Menschen aus seiner Vergangenheit auf – ganz besonders solche mit seiner überaus dominanten Mutter. Er hatte zu Hause gründlich gelernt, dass es Liebesentzug zur Folge hatte, wenn er als Kind wütend oder ärgerlich war. Seine Mutter konnte zwar durchaus liebevoll und fürsorglich sein, aber sie war eben auch streng – er hatte zu gehorchen! Ein „Nein“ ließ sie ihrem Sohn nicht durchgehen. Er erinnerte sich an etliche Situationen, da er sich weinend allein und ausgegrenzt fühlte, weil er versucht hatte, sich dem Diktat der Mutter zu widersetzen.

Da Oliver Friedrich gleichzeitig auch Zuwendung und Anerkennung bekommen hatte, fiel sein Skript nicht übermäßig gravierend aus, aber die Einschärfung „Zeig keinen Ärger“, führte bei der Konfrontation mit diesem Kunden, der so viele Forderungen an ihn stellte, dazu, dass er sofort in den aus Kindheitstagen bekannten Alarmzustand geriet, wenn er eigentlich „Nein“ sagen wollte. Selbst wenn er sich vor einem Zusammentreffen ganz fest vorgenommen hatte, sich diesmal abzugrenzen, sorgte der Alarm in seiner Amygdala dafür, dass er stattdessen jenes Verhalten an den Tag legte, mit dem er bisher seinem Skript gefolgt war, nämlich besonders nett, liebenswürdig und entgegenkommend zu sein.

Er hatte zwar in seinem späteren Erwachsenenleben durchaus gelernt, auch einmal „Nein“ zu sagen,doch da zu seiner Befürchtung, dass bei einem „Nein“ von ihm der Kontakt zu diesem Kunden Schaden nehmen würde, auch noch die Angst hinzukam, es könnte existenziell bedrohlich werden, wenn er diese Einnahmequelle verlieren würde, hatte er sich bislang eben alles gefallen lassen. Nachdem er in nur einer Coachingsitzung seinen Imperativ gelöscht hatte, gelang es ihm schließlich sehr schnell, auf seine eigene liebenswürdige Art und Weise, aber mit absoluter Klarheit, mit seinem Kunden, der ihn plötzlich ernst nahm, zu vernünftigen Vereinbarungen zu kommen.

Dieses Fallbeispiel stammt aus dem Buch „Introvision – Die Kunst ohne Stress zu leben“ (Ulrich und Renate Dehner, Kreuz-Verlag, 2015). In diesem Buch wird ausführlich geschildert, wie IntrovisionCoaching Ihnen helfen kann, sich von blockierenden alten Mustern zu befreien. Niemand muss in seinem Erfolg beeinträchtigt werden, nur weil er oder sie sich nicht traut, das eigene Potenzial voll auszuschöpfen.

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