Hintergrund, IntrovisionCoaching
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Ist Ihrer Amygdala doch egal, ob Sie Ihr Problem verstanden haben…

Amygdala egal

Problem erkannt, Problem gebannt? Schön wär’s! Die einfachsten der täglichen Probleme lassen sich so lösen. Aber wenn es wirklich schwierig wird und unter die Haut geht, leider nicht. Man kann sein Problem noch so gut verstehen – das ändert gar nichts an der Sache! Sind Sie auch schon dem Trugschluss aufgesessen, wenn Sie erst einmal genau wüssten, was es mit Ihrem Problem auf sich hat, wo es herkommt, wie es entstanden ist, was genau Ihre Eltern, Ihr doofer Lehrer, Ihre schreckliche Schwester, Ihr hirnrissiger Bruder damals gemacht haben, sodass Sie heute mit diesem Scheiß-Problem dasitzen, dass also, wenn Sie das genau analysiert haben würden, Sie endlich auch den Weg gefunden hätten, es los zu werden? Und stattdessen taucht es, treu wie Gold, immer wieder auf. Ich will mich nicht stressen lassen von diesem blöden Kollegen, ich will ihm endlich, ruhig und vernünftig natürlich, aber klar und deutlich, sagen, was Sache ist… und wenn es soweit ist, zittere ich vor Wut wie immer und die besten Argumente fallen mir erst hinterher ein. Sie kriegen jedes Mal, wenn Sie vor der großen Gruppe was sagen wollen, einen Schweißausbruch, obwohl Sie genau wissen, dass Sie was Gutes zu sagen haben? Und dann kneifen Sie mal wieder?

Dass das so ist, liegt an Ihrem limbischen System, noch genauer an Ihrer Amygdala. Und Ihrer Amygdala ist es so lang wie breit, was Ihr bewusster Verstand alles kapiert hat. Die Amygdala hat als Aufgabe, Ihr Überleben zu sichern. Damit sie das kann, warnt Sie sie mit einer fast unvorstellbar hohen Geschwindigkeit vor Gefahren. So schnell könnte Ihr bewusster Verstand niemals sein. Stellen Sie sich vor, Sie lebten noch in der Steinzeit und Ihr Leben hinge davon ab, dass Sie sich schnell genug vor einem wilden oder giftigen Tier in Sicherheit bringen. Bis Ihr Verstand analysiert hätte, ob das Ding da im Gras eine Giftschlange oder ein harmloser Ast ist, hätte die Schlange, die ja auch von etwas leben muss, vielleicht schon zugebissen. Deshalb sorgt die Amygdala dafür, dass Sie erstmal reflexartig zur Seite springen und dann genauer nachsehen.

Und im Grunde macht sie das noch heute. Damals, als Ihr Problem, wie auch immer, entstanden ist, hat sich in der Amygdala ein Alarm installiert, denn Sie fühlten sich entsetzlich damals – die Giftschlange hat sozusagen zugebissen, und das war überhaupt nicht schön. Damit Ihnen das nie, nie wieder passiert, geht in der Amygdala ein Alarm los, sobald eine Situation sich so zu entwickeln droht, wie das damals war. „Achtung, Achtung“, schrillt es durch alle Ihre Zellen, „klar machen zu Flucht oder Gefecht!“ Und das bedeutet, Stresshormone werden ausgeschüttet, Sie fühlen sich fast so entsetzlich wie damals und sind, noch bevor Ihr bewusster Verstand „Stopp, stopp, ist doch inzwischen alles ganz anders!“ rufen kann, in genau den alten Verhaltensmustern drin, die Sie so gern los wären. Ihr Verstand weiß Bescheid – aber das nutzt halt leider nichts, weil die Amygdala ungefähr zweihundert Mal schneller ist. Und Ihr Verstand fragt sich, wenn die Situation vorbei ist, mal wieder bedröppelt, wie das nun wieder passieren konnte und ob das nie aufhört.

Wenn Sie immer nur versuchen, mit dem Verstand dagegen anzukommen, nicht. Aber es gibt Wege.

Ein Weg ist Willensstärke – damit lassen sich manche Probleme lösen, wenn auch nicht alle. Goethe hat mit Willensstärke seine Höhenangst besiegt. Obwohl es ihn große Kraft und vermutlich manchen kalten Schweißausbruch gekostet hat, ist er als Student so lange auf den Turm des Straßburger Münsters gestiegen, bis auch seine Amygdala kapiert hatte, dass ihr Alarm sinnlos ist. Verstand gegen Amygdala: eins zu null!

Aber versuchen Sie mal, auf diese Art zum Beispiel Ihre Angst zu scheitern zu besiegen. Sie scheitern einfach so lange, bis Ihre Amygdala aufgibt. Leider haben Sie zu diesem Zeitpunkt auch keine Wohnung, keine Lebensmittel und wahrscheinlich auch keinen Partner mehr. Dieses Vorgehen nach dem Motto „Operation geglückt, Patient tot“ ist nicht wirklich zu empfehlen.

Es geht auch anders. Unser Gehirn hat zwar keine „Delete-Taste“, aber auch die Amygdala ist lernfähig, wie wir an Goethes Beispiel gesehen haben. Wenn man, zum Beispiel mit IntrovisionCoaching, den Alarm in Gang setzt und ihn dann einfach nur beobachtet, dann läuft er irgendwann so ins Leere, dass er gelöscht wird. Das klingt einfach, ist es aber natürlich nicht.

Wollen Sie mehr darüber wissen? Dann freuen Sie sich auf den nächsten Beitrag oder schauen Sie sich doch mal das Buch an „Introvision, die Kunst ohne Stress zu leben“ erschienen 2015 im Kreuz-Verlag, Freiburg.

4 Kommentare

  1. Hendrik Unger sagt

    Artiel ist frisch geschrieben und führt schön auf das Thema Introvision. Freue mich weitere Beiträge in diesem neuen Blog

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